Nachdem die Zahl der psychischen Erkrankungen Jahr für Jahr steigt und belegt ist, dass Arbeitsbedingungen auch mental gesundheitsförderlich sein können, ist das Thema "Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung" in den letzten Jahren allgemein in den Fokus gerückt.
Ob Unternehmensleitung, HR-Fachkräfte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit oder Arbeitspsychologen etc. auf Unternehmensseite oder Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Rentenversicherungen, Verbände, Ministerien, Bundesämter auf der volkswirtschaftlichen Seite, es ist allen i.d.R. klar, dass es zu handeln gilt.

Frau Zander hat für den VDSI einen Beitrag verfasst, in dem sie zum aktuellen Stand der Umsetzung der "Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung" Stellung nimmt. Lesen Sie hier den ungekürzten Artikel:

"I Psychische Fehlbelastung – ein Thema, dass die Betriebe weiter beschäftigen wird

2013 fanden neben der Betrachtung der physischen auch die psychischen Belastungen als wörtliche Benennung Einzug in das Arbeitsschutzgesetz. Seitdem ist das Thema Psyche in aller Munde. Wichtig: Psychische Fehlbelastung ist nicht gleich psychische Erkrankung. Langfristige Fehlbelastungen, sowie für den einzelnen Fehlbeanspruchung, können sich manifestieren und zu psychischen Störungen führen oder diese verstärken. Diverse Akteure wie Fachverbände, Berufsgenossenschaften, Krankenkassen, Ministerien, die Wissenschaft, als seriöse Institutionen, bieten vielfältige Unterstützung mit Veröffentlichungen über Ursachen und Gegenmaßnahmen, Kongressen und Kampagnen wie Kommmitmensch, Prävention 4.0, GDA Psyche etc. Die Informationen und Handlungshilfen für Unternehmen und Beschäftigte zur betrieblichen Gesundheitsförderung sind vielfältig und i.d.R. (übergreifende Betrachtung aller Anbieter) qualitativ hochwertig. Fakt ist jedoch, dass die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen weiter gestiegen ist.


Die Grafik zeigt Arbeitsunfähigkeitsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 1997 bis 2018. 
Erläuterung: 'Die Statistik zeigt die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitsfälle (AU-Fälle) aufgrund psychischer Erkrankungen (F00-F99) in Deutschland nach Geschlecht in den Jahren 1997 bis 2018 als Indexdarstellung. Im Jahr 2018 hatten die AU-Fälle aufgrund psychischer Erkrankungen bei Frauen gegenüber dem Jahr 1997 um 174 Prozent zugenommen. Die DAK-Gesundheitsreporte berücksichtigen alle Personen, die im jeweiligen Jahr aktiv erwerbstätig und wenigstens einen Tag lang Mitglied der DAK-Gesundheit waren sowie im Rahmen ihrer Mitgliedschaft einen Anspruch auf Krankengeldleistungen der DAK-Gesundheit hatten. Die gesamte Datenbasis umfasst rund 2,5 Mio. Mitglieder der DAK-Gesundheit.'         Quelle: Statista und DAK Gesundheitsreport 2018

Dem Arztreport 2018* ist zu entnehmen, dass die Zahl der jungen Erwachsenen (18-25 J.), die an einer „psychischen Störung“ leiden von 2005 bis 2018 um 38 % stieg. Reaktionen auf schwere Belastungen, Anpassungsstörungen und depressive Episoden seien die häufigsten Diagnosen. Laut einer Studie „Digitalisierung und Gesundheit“ von Prof. Dr. Stephan Böhm der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2015, hat gerade die junge Generation Angst durch Kollege KI (künstliche Intelligenz) wegrationalisiert zu werden. Zudem verstärkt die digitale Kommunikation psychische Fehlbelastungen durch ständige Unterbrechungen, der Erfordernis des Multitaskings, dem Zeitdruck, der Entgrenzung der Arbeit aber auch der abnehmenden sozialen Kontakte.

II Potenziale häufig ungenutzt – Chancen verstreichen

Die Unternehmen sind zudem durch den zunehmenden Fachkräftemangel gefordert. Mehr denn je gilt es die Leistungsfähigkeit als auch die Leistungsbereitschaft der vorhandenen Mitarbeitenden zu erhalten und darüber hinaus die Beschäftigten zu binden. Die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung wäre ein passender Auftakt und könnte in ein systematisches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) münden. Die Erfahrung aber zeigt: Allzu oft ist die Gefährdungsbeurteilung nur das Abhaken einer notwendigen Aufgabe, die es zu dokumentieren gilt und möglichst wenig kosten soll. Dabei ist ein aktives beidseitiges (Arbeitgeber und Arbeitnehmer) Tun gefragt. Die Mitarbeitenden könnten auf den Weg des Changes im Zuge der digitalen Transformation mitgenommen und so besser in die Pflicht genommen werden. Reibungsverluste könnten vermieden und die Produktivität gesteigert werden. Unterschiede könnten bereichern und einen Nutzen bieten für kreative Lösungen gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen. Stattdessen besteht das Bestreben allenthalben darin ein „BGM“ einzuführen, dass auf reine Verhaltensprävention setzt und die Mitarbeitenden zu Ernährung, Entspannung etc. möglichst kostenfrei schult. Wie jedoch die zukünftig notwendigen agilen Prozesse und Strukturen einführen, wenn hierarchisches und (Ab-)Teilungs-Denken weiterhin vorherrscht?

Die junge Generation steht in den Startlöchern und deren psychisches Wohlbefinden könnte durch Partizipation und systemische Betrachtungen immanent gesteigert werden. Zusammen mit dem Erfahrungswissen der Älteren und einem wertschätzenden Austausch kann der Change gemeinsam besser bewältigt werden.

III Kompetenz ist gefragt – Qualifikation wünschenswert – Können ein Muss

Um Potenziale zu heben und Chancen zu nutzen - in dem Bestreben eine psychosozial gesunde und zukunftsweisende Organisation aufzustellen, sollte kein Streit darüber entstehen, wer für was zuständig ist. Die Frage ist doch wer kompetent ist z. B. nach einer Gefährdungsbeurteilung den Change zu begleiten. Hier sollten Unternehmen investieren und sich zumindest auf Zeit von kompetenten Personen, die den ganzheitlichen Blick auf das Unternehmen haben, begleiten lassen."

*https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/957990/arztreport-2018-38-prozent-psychische-diagnosen-jungen-erwachsenen.html

 

 Wir können mit unserer wissenschaftlich validierten Mitarbeiterumfrage "Health meets Work" Unternehmen zur Seite stehen und darüber hinaus mit unseren Fachkräften unterschiedlichster Disziplinen (SiFa, Psychologen, Wirtschaftswissenschaftler, Coaches), den gesamten Prozess nachhaltig begleiten. So ist gewährleistet, dass die gesetzlichen Bestimmungen zum Nutzen aller bestmöglich umgesetzt werden, die Organisation sich mit seinen Mitarbeitenden zielgerichtet weiterentwickelt und der Return on Invest gegeben ist.

Autor: Sisi Kaiser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier können Sie sich den VDSI-Artikel herunterladen:

 

 

Beitrag in VDSI aktuell 4/2019

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr zu unserer onlinebasierten Mitarbeiterumfrage zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung finden Sie hier.

 

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